Walter Gysel
stellt den Chor Mundo Unido im WN-Vereins-Domino vor.
Bei Familie Brühlmann in Bazenheid gehören Esel seit mehr als fünf Jahrzehnten zum Alltag. Besonders in der Adventszeit sind die sanftmütigen Tiere gefragte Begleiter – und lehren die Menschen dabei manches über Geduld.
Wenn man das Mutter-Tochter-Duo Sylvia und Daniela Brühlmann an der Wilerstrasse 107 in Bazenheid besucht, wird man mit einem lauten «I-Aah» begrüsst. «Seit 52 Jahren leben Esel bei uns», erzählt Daniela Brühlmann. Aktuell wohnen sieben Tiere bei der Familie. «Unser ältester Esel ist knapp 40 Jahre alt», verrät Mama Sylvia. Doch die Esel leben nicht nur bei den beiden, sie arbeiten auch mit Daniela Brühlmann. «Jetzt in der Weihnachtszeit haben sie viel zu tun», erzählt die 57-Jährige.
Eine besondere Rolle für den Esel
Die Buchungen zur Weihnachtszeit sind für Daniela Brühlmann kein Wunder: «Der Esel ist eng mit der Bibel verbunden und somit auch mit der christlichen Weihnachtsgeschichte», sagt die Bazenheiderin. Dabei fände sie besonders schön, dass der Esel in den meisten biblischen Geschichten jeweils eine besondere Rolle einnimmt. Die Geschichte von Bileam und den Eseln hat es ihr besonders angetan. «Darin bleibt der Esel auf dem Weg stehen, obwohl Bileam immer wieder auf ihn einschlägt. Der Esel jedoch hat erkannt, dass sich vor ihnen ein Engel befindet. Das Tier beginnt zu sprechen und enthüllt so die göttliche Botschaft», weiss die Bazenheiderin. Auch zahlreiche Adventsgeschichten gibt es mit Eseln. «An eine kann ich mich gut erinnern. Darin wärmen die Esel mit ihrem Atem das Jesuskind», sagt Daniela Brühlmann.
Ein Bahnwagen aus Jugoslawien
Diese einfühlsame und genügsame Art fasziniert Daniela Brühlmann besonders an den Tieren. «Das lässt sich gut beobachten, wenn die Esel mit Kindern zusammen sind. Die Tiere gehen auf die Kinder ein und sind um einiges folgsamer als bei so manchen Erwachsenen.» Und wie kommt man überhaupt dazu, sich sieben Esel zu halten? «Da ist meine Mutter schuld», lacht Daniela Brühlmann. Sylvia Brühlmann erklärt: «Daniela war noch im Kindergartenalter, als ein Mitarbeiter des Zoos im Aargau bei uns einen Anhänger kaufte. Da erfuhren wir von ihm, dass ein bis zwei Bahnwagen voller Esel aus Jugoslawien nach Buchs transportiert werden», erinnert sich Mama Sylvia. Zu dieser Zeit sei es noch nicht üblich gewesen, sich die Tiere zu Hause in einem Stall zu halten. «Fünf oder sechs Esel nahmen wir an diesem Tag bei uns auf», sagt Sylvia Brühlmann und streichelt eines der Tiere neben sich. Von diesem Tag an kam Familie Brühlmann nicht mehr von den Eseln los. «In den 52 Jahren hatten wir rund 34 Jungtiere», verrät Daniela Brühlmann. Ein Problem, ein neues Zuhause für die Tiere zu finden, gab es nie, bestätigen Mutter und Tochter. «Esel mögen keinen Regen», erklärt Daniela Brühlmann. Da ihr Fell wasserdurchlässig ist, können sich die Steppentiere rasch erkälten. «Darum brauchen die Tiere auf jeden Fall einen überdachten Stall.» Auch sollten die Esel immer etwas zu futtern und zu trinken haben. «Regelmässiges Bürsten und das Säubern der Hufe gehören ebenfalls zu einer artgerechten Haltung», sagt sie.
Ein Rüebli auf dem Weg zur Krippe
Dieses Jahr, so Brühlmann, haben die Esel gleich zwei Jobs in Bazenheid: «Wir besuchen das Altersheim und einen Eselweihnachtsspaziergang der katholischen Kirche. Am 21. Dezember sind wir wieder an der Weihnachtsreise in Wil beteiligt.» Bereits zum dritten Mal wird Daniela Brühlann als Hirtin mit drei ihrer Esel beim Schauspiel auf der oberen Bahnhofstrasse dabei sein. «Alle 20 Minuten werden wir zur Krippe durch die Stadt laufen», verrät sie. Für die Esel sei dies jeweils ein reines Festmahl: «Da gibt es viele Rüebli und andere Leckereien für sie.» An Menschen sind die Tiere gewohnt und auch an das Spazierengehen: «Ich habe eine Gruppe von Interessierten, die regelmässig mit den Eseln und uns spazieren gehen.» Mit der Wiler Weihnachtsreise verbindet die Bazenheiderin schöne Erinnerungen: «Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie die Esel bei der Krippe interessiert am Jesuskind schnupperten.»
Geduld ist eine Tugend
Trifft man in der Vorweihnachtszeit auf den Samichlaus, den Schmutzli und auf Esel, so könnten es die Tiere von Daniela Brühlmann sein: «Zusammen mit meinem Mann begleiteten wir früher unsere Esel in den Wald, wo sie auf Familien mit Kindern trafen. Damals ging ich meistens als Schmutzli und mein Mann als Samichlaus mit.» Die Rute vom Schmutzli diente dabei jeweils als Proviant für die Esel. «Heute sind wir noch als Begleitung unserer Tiere dabei.» Auch am Chlausumzug in Bazenheid war das Mutter-Tochter-Duo mit ihren Eseln rund 25 Jahre beteiligt. «Die vielen Menschen und Geräusche bedeuten für die Esel aber auch Stress, weshalb wir am Umzug nicht mehr teilnehmen», sagt die Bazenheiderin. Das Schöne an Eseln, so Brühlmann, ist dass die Tiere nur das machen was sie auch wirklich wollen. «Es braucht einiges an Überredungskunst, einen Esel zu etwas zu bewegen, was er nicht möchte», schmunzelt sie. So erinnert sich Daniela Brühlmann an einen Chlausumzug, bei dem eines der vier Tiere keine Lust mehr hatte und einfach am Strassenrand stehen blieb. «Da die anderen weiterliefen, musste ich mich entscheiden, was ich mache», erinnert sich die 57-Jährige. Eine Passantin bot an, beim eigenwilligen Esel zu warten, sodass Brühlmanns weiter am Umzug teilnehmen konnte. «Mit Eseln lernt man, geduldig zu sein», lacht sie. «Die Menschen könnten sich ein Beispiel an den Tieren nehmen und etwas geduldiger sein. In einigen Situationen wäre es ratsam, einmal stehen zubleiben, bevor man sich verrennt.» Beim Abschied erklingt erneut ein «I-Aah» über den Hof – als würden die Esel bestätigen, dass Geduld manchmal die beste Antwort ist.
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