Ramon Gschwend
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Die Wiler Stimmbürgerinnen und Stimmbürger stimmen am 29. November über den 64-Millionen-Kredit für die Umgestaltung des Wiler Bahnhofplatzes ab. Warum braucht es einen neuen Busbahnhof? Und was passiert bei einem Volks-Nein?
Wil Es war ein seltenes Bild: An der Medienkonferenz zum Bahnhofsprojekt waren alle fünf Vertreter der Wiler Exekutive vor Ort. Andreas Breitenmoser, Manuel Nick, Jigme Shitsetsang, Cornelia Kunz und Lukas Reimann informierten über das geplante Bauvorhaben. Dass der gesamte Stadtrat an einer solchen Veranstaltung teilnimmt, «das passiert genau nie», betonte Stadtpräsident Andreas Breitenmoser zu Beginn der Information. Umso mehr hebe dieser Umstand die Wichtigkeit des Wiler Bahnhofs hervor. An einem Tag steigen rund 20'000 Menschen in Wil ein und aus. Für diese soll nun ein barrierefreier Busbahnhof für rund 64 Millionen Franken entstehen.
Das Projekt «Aufwertung Stadtraum Bahnhof Wil/Allee» umfasst den neuen Bushof mit einer unterirdischen Velostation, die Verschiebung der Endhaltestelle der Frauenfeld-Wil-Bahn sowie die Neugestaltung der Oberen Bahnhofstrasse und der Allee. Damit soll mehr Platz für den Busverkehr, direkte Umsteigewege und attraktivere Aufenthaltsbereiche geschaffen werden, erklärt Manuel Nick, Departementsvorsteher Bau, Umwelt und Verkehr (BUV). Grund für die Umgestaltung des Bahnhofsplatzes sei unter anderem die Einhaltung des Behindertengleichstellungsgesetzes (BehiG), welches einen barrierefreien Zugang zu den Verkehrsmitteln vorgibt. Dafür müssen die Haltekanten der Busse erhöht werden. Dies habe laut Breitenmoser zur Folge, dass die Fahrzeuge mehr Platz für ihre Manöver brauchen. Um dies zu gewährleisten, soll der Bushofplatz bis auf Höhe des Konstanzerhofs vergrössert werden. Insgesamt sind 20 Halteplätze geplant. Über dem Mittelperron in der Mitte des Platzes soll ein 120 Meter langes Dach mit PV-Anlage entstehen.
Zur Abstimmung kommt ein Bruttokredit von rund 63,7 Millionen Franken. Nach Abzug der erwarteten Beiträge über mehr als 30 Millionen Franken von Bund, Kanton und weiteren Beteiligten verbleibt für die Stadt Wil ein Anteil von knapp 33,5 Millionen Franken. Abgestimmt wird über den Bruttokredit. Das Stadtparlament hat den Bahnhofskredit am 2. Juli mit 26 zu 11 Stimmen angenommen. Nun hat die Stimmbürgerschaft am 29. November das letzte Wort. Doch das teure Projekt kommt nicht gerade zu einem günstigen Zeitpunkt vors Volk: Im städtischen Budget gibt es haufenweise rote Zahlen. Diese wurden nach der Steuerfussabstimmung im September noch etwas roter (WN vom 15. Oktober). «Die finanzielle Lage ist angespannt», gibt Breitenmoser zu. Doch der Stadtrat sei sich über die Notwendigkeit des Projekts einig.
Bei einem Volksnein zum 64-Millionen-Kredit müssen die Projektverantwortlichen nochmals über die Bücher. Im Projekt stecken gemäss Stadtrat Manuel Nick allerdings bereits zehn Jahre Planung. Änderungen vorzunehmen, sei deshalb nicht einfach und würde die Umsetzung des Projekts weiter verzögern. Im Rahmen des Agglomerationsprogramms der Stadt ist die Aufwertung des Bahnhofareals gemäss Stadtrat auch ein Treiber für zukünftige Investitionen Dritter rund um den Bahnhof in der Grössenordnung von rund 200 Millionen Franken. Bei grundlegenden Projektänderungen bestehe zudem die Gefahr, dass die Beiträge von Dritten nicht mehr gleich hoch ausfallen. «Ob wir so schlussendlich sparen, ist fraglich», sagt der Stadtpräsident. Dass der Bahnhofplatz im jetzigen Zustand bleibe, sei keine Option, betont sein Stadtratskollege Manuel Nick. Das Behindertengleichstellungsgesetz müsse so oder so eingehalten werden. Die Stadt sei bereits im Verzug. Zwar könnten zwischenzeitlich Ersatzmassnahmen ergriffen werden, das grundlegende Platzproblem bleibe allerdings bestehen.
Bei einem positiven Abstimmungsausgang könnten die Bauarbeiten frühestens Anfang 2029 starten, heisst es an der Medienkonferenz. Geplant ist laut Nick zuerst die Verschiebung der Frauenfeld-Wil-Bahn und die Vergrösserung des Busbahnhofplatzes. Somit sei eine Ausweichmöglichkeit für den laufenden Verkehr teilweise gegeben. Einschränkungen des Betriebs seien während der Bauarbeiten allerdings nicht vollständig zu vermeiden, so der BUV-Vorsteher. Diese würden aber frühzeitig kommuniziert.
Linda Bachmann
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