Aaron Gähwiler
verrät im Lehrlings-Domino, wie er mit Druck umgeht.
Am 8. März stimmen die Wiler Stimmbürgerinnen und -bürger über die Initiative «Wil will wohnen!» ab.
Am Sonntag in einer Woche stimmen die Wilerinnen und Wiler über die Initiative «Wil will wohnen!» ab. Einen Überblick über die Forderungen des Initiativkomitees und die Haltungen der verschiedenen Parteien und des Mieterinnen- und Mieterverbands (MV).
Wil Nachdem das Stadtparlament «Wil will wohnen!» im August 2025 ablehnte, kommt die Initiative nun vors Wiler Stimmvolk. Am 8. März stimmen die Wilerinnen und Wiler über das Anliegen des Initiativkomitees für mehr bezahlbaren Wohnraum ab. Hinter der Volksinitiative steckt die SP Wil. Die Partei fordert mehr bezahlbaren Wohungsraum. Konkret sollen sich bis 2050 mindestens zehn Prozent der Wohnungen in Wil im Eigentum von gemein-nützigen Wohnbauträgern befinden, welche dem Prinzip der Kostenmiete verpflichtet sind und dadurch langfristig bezahlbaren Wohnraum sichern sollen.
Unterstützung erhält das Initiativkomitee von den Grünen Prowil. «Der gemeinnützige Wohnungsbau gilt als vielversprechender Ansatz und als dritter Weg zwischen herkömmlicher Miete und Eigentum, das sich viele nicht mehr leisten können», schreibt die Partei in ihrer Medienmitteilung. Neben den finanziellen Aspekten würden gemeinnützige Bauträger auch für vielfältige Wohnangebote und die Förderung der sozialen Durchmischung sorgen. Das 10-Prozent-Ziel ordnen die Grünen Prowil als ehrgeizig, aber machbar ein. Damit sind allerdings nicht alle einverstanden.
Die FDP, die Mitte und die SVP erkennen zwar das Anliegen des Initiativkomitees an, halten die Initiative aber nicht für das geeignete Instrument. Kritisiert wird die geforderte 10-Prozent-Quote. «Dafür müssten in den nächsten Jahren über 1000 zusätzliche Wohnungen gebaut werden. Das ist völlig unrealistisch», schreibt die SVP in ihrer Mitteilung. Die Stadt Wil verfüge weder über genügend Land noch über genügend finanzielle Mittel für diese Zahl. «Wenn der Staat immer mehr Vorgaben macht, verlieren Investoren das Interesse», schreibt die SVP. Dann würde weniger gebaut und die Preise wären noch höher.
Auch die FDP ordnet die starre Quote als unrealistisch ein. Sie gefährde Investitionen und bringe keine besseren Instrumente als die bereits bestehenden Planungsgrundlagen, schreibt die Partei in ihrer Mitteilung. «Statt zusätzlicher Vorgaben setzt die FDP Wil auf gezielte Projekte von Genossenschaften, einen vielfältigen Wohnungsmix und gute Rahmenbedingungen für privaten und gemeinnützigen Wohnungsbau.»
Mitte-Präsidentin Eliane Keller-Hollenstein sagt auf Anfrage dieser Zeitung : «Eine Annahme würde den Handlungsspielraum der Stadt deutlich einschränken, zusätzliche finanzielle Verpflichtungen auslösen, Investitionen erschweren und die Stadtentwicklung weniger flexibel machen. Zudem besteht ein Risiko, dass private Investoren zurückhaltender werden, was das Wohnraumangebot insgesamt bremsen könnte.» Sie betonte, dass eine Ablehnung der Initiative keinen Stillstand bedeute, sondern Politik, Stadt und die Investoren umso mehr verpflichte, im Rahmen der bestehenden Instrumente konkrete und tragfähige Lösungen voranzubringen.
Das Initiativkomitee setzt den Kritikpunkten entgegen, dass bis 2050 nicht 1000 Wohnungen gebaut werden müssen, sondern auch bestehende Wohnungen zur Zielerreichung beitragen können. Die SP ist überzeugt, dass es für langfristige Planungssicherheit ein klares Ziel benötigt. Dieses verpflichte den Stadtrat dazu, eine Strategie für den Wohnungsbau auszuarbeiten. Gemeinnütziger Wohnungsbau würde ausserdem weder dem profitorientierten Wohnbau noch der lokalen Wirtschaft schaden, betont das Initiativkomitee, denn auch Wohnbaugenossenschaften seien finanziell selbsttragende private Eigentümer.
Der Mieterinnen- und Mieterverband spricht sich gemäss Mitteilung auf der Website für die Annahme der Initiative aus. «Wil hat bereits 2018 anerkannt, dass Handlungsbedarf besteht. Doch passiert ist bis heute nichts. Die Initiative «Wil will wohnen» fordert deshalb endlich konkrete Massnahmen», schreibt der Verband. Die 10-Prozent-Quote sein ein ambitioniertes Ziel, für das sich auch der Mieterinnen- und Mieterverband einsetzte und an der Urne deshalb ein Ja empfehle.
Linda Bachmann
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