Walter Gysel
stellt den Chor Mundo Unido im WN-Vereins-Domino vor.
Robert Stadler hat sich entschieden, sich künftig auf seine 2024 übernommenen
Geschäftsführungen bei den Hauseigentümerverbänden des Kantons St.Gallen und der Stadt St.Gallen und die Selbstädigkeit zu konzentrieren.
Robert Stadler hat das WirtschaftsPortalOst (WPO) seit 2019 geprägt wie kaum ein anderer. Warum er nun geht, was das für den Verband bedeutet und wie er auf Wil West blickt, erklärt er im Gespräch.
WilRobert Stadler, Sie haben WPO seit der Gründung 2019 aufgebaut und geprägt. Wenn Sie heute zurückblicken: Was war persönlich der anspruchsvollste Moment in diesen sieben Jahren?
Am Anfang stand die Überzeugung, dass die neue Organisation gebraucht wird. Wir mussten uns zunächst selbst klar werden, was wir wollen, denn auf uns hat niemand gewartet. Bei neuen Strukturen gibt es immer Ängste, die konnten wir aber schnell ausräumen. Das ist eine dauerhafte Aufgabe. Wir orientieren uns daran, die Region und den funktionalen Raum zusammenzubringen. Mal gelingt das besser, mal weniger gut, denn es gibt auch politische Grenzen zwischen Gemeinden und Kantonen – die Interessen sind nicht immer deckungsgleich.
Welche Fähigkeiten oder Erfahrungen aus Ihrer früheren Laufbahn haben Ihnen als Standortförderer am meisten geholfen?
Gerade zu Beginn war die Kommu- nikation entscheidend – sowohl in- nerhalb der Organisation als auch mit externen Partnern. Die politi- sche Komponente spielte dabei ebenso eine wichtige Rolle. Durch meine frühere Arbeit bei der IHK wurde mir von Seiten Unternehmen Vertrauen entgegengebracht. Das erleichterte den Aufbau der Organisation und legte den Grundstein für die Zusammenarbeit in der Region.
Gab es in Ihrer Zeit beim WPO eine Entscheidung, bei der Sie im Nachhinein sagen: Die hat die Organisation nachhaltig verändert?
Die Anfangsphase war entschei- dend: Es war wichtig, schnell Mit- glieder zu gewinnen und Fahrt auf- zunehmen. Erfolgsmeldungen spiel- ten dabei eine zentrale Rolle, um Vertrauen aufzubauen. In vielen Gesprächen wurde mir gesagt, dass es die Organisation in fünf Jahren nicht mehr geben würde und die Wirt- schaft das nicht mittragen würde, wie wir es uns vorstellen. Umso erfreu-licher ist es, dass es gelungen ist.
Warum ist jetzt – per Mitte 2026 – der richtige Zeitpunkt, die Geschäftsführung des WPO abzugeben?
Einen «richtigen» Zeitpunkt gibt es nicht. Den Gedanken an die Selb-ständigkeit trage ich schon lange mit mir herum, bisher passte der Zeit- punkt aber nie. Personell ist WPO jetzt sehr gut aufgestellt, und die Wil-West-Abstimmung wollte ich noch begleiten. Gleichzeitig muss ich ehrlich sagen: Es ist nicht immer einfach, alles unter einen Hut zu bringen.
Inwiefern?
Seit eineinhalb Jahren bin ich zusätzlich Geschäftsführer der Hauseigentümerverbände des Kantons und der Stadt St.Gallen. Auch das sind sehr spannende Aufgaben. Auf die Dauer sind die drei Geschäftsführungen, die erwünschte Selbstständigkeit und Familie zeitlich nicht immer einfach zu kombinieren. Oft gibt es eine Häufung an Projekten, Sitzungen und Veranstaltungen zur gleichen Zeit. Zudem habe ich hohe Qualitätsanforderungen an mich selbst. Diesen möchte ich gerecht werden. Ebenso hat mich eine persönliche Erfahrung aufgerüttelt: Mein 6-jähriger Sohn fragte einmal, ob ich wenigstens heute Abend zu Hause sei. Ich musste verneinen, weil ich einen Anlass organisierte, und am Abend danach stand eine Sitzung auf dem Programm. Da wurde mir bewusst, dass ich etwas ändern sollte.
Welche Leistung oder welches Projekt des WirtschaftsPortalOst wird Ihrer Meinung nach oft unterschätzt?
Häufig wird über Netzwerkveran- staltungen herablassend gespro-chen – man denkt, dort werde nur ein Cüpli getrunken. Dabei entstehen bei solchen Anlässen wertvolle Verbindungen und ein intensiver Austausch. Dass daraus Neues ent-steht, wird oft unterschätzt.
Was braucht das WPO künftig, um auch ohne Sie als Geschäftsführer weiterhin erfolgreich zu sein?
Am WirtschaftsPortalOst bin nicht nur ich beteiligt. Gremien, Vorstand, Wirtschaftskommission und Delegiertenversammlung tragen die Organisation aktiv mit. Auch die Geschäftsstelle leistet einen wichtigen Beitrag – ich bin kein Einzelkämpfer.
Sie bewegen sich an der Schnittstelle von Wirtschaft, Politik und Verbandswesen. Wo sehen Sie aktuell die grössten Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort Wil und Ostschweiz?
Krisen machen die wirtschaftliche Planung zunehmend schwierig und unvorhersehbar – für die Unternehmen ist das besonders herausfordernd. Die Ostschweizer Wirtschaft hat jedoch immer wieder gezeigt, wie flexibel und anpassungsfähig sie ist. Heute treten Probleme oft plötzlich und unvorhersehbar auf. Besonders die Ostschweizer Unternehmen sind durch ihren hohen Exportanteil nach Deutschland stark betroffen; wie es mit der deutschen Wirtschaft weitergeht, ist unklar, und auch die Autoindustrie sowie einige Zulieferer stehen vor Herausforderungen. Gleichzeitig zeigt die Region Veränderungsbereitschaft und Innovationskraft, und ich bin zuversichtlich: Die Unternehmen sind bereit, sich zu strecken und Lösungen zu finden.
Die Wil-West-Abstimmung am 8. März gilt als richtungsweisend für die Region. Welche Bedeutung hat dieses Projekt aus Sicht der Standortförderung?
Wird das Wirtschaftsprojekt Wil West abgelehnt, gibt es keinen Autobahnanschluss – das ist verkehrstechnisch entscheidend. Jahrzehntelange Planungen müssten dann neu begonnen werden, was verheerend wäre. Experten und Bundesstellen beurteilen das Projekt als mustergültig. Eine Ablehnung würde die Glaubwürdigkeit der Region untergraben. Wir müssen aus der Paralyse herauskommen, denn während hier Stillstand herrscht, verändert sich rundherum alles. Es braucht Mut, das Gesamtprojekt Wil West zu betrachten, statt nur einzelne Vorteile und Nachteile isoliert abzuwägen.
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