Ramon Gschwend
fährt in einer 16-tägigen Rallye bis ans Nordkap+.
Michael Sarbach will den «Gare de Lion» mit neuer Technik und Unterstützung aus der Bevölkerung für die kommenden Jahre rüsten.
Der «Gare de Lion» wird saniert. Für eine neue Ton- und Lichtanlage startet der Verein Kulturzentrum Wil heute ein Crowdfunding. 80'000 Franken sollen zusammenkommen. Mitgründer Mike Sarbach erklärt, weshalb die Unterstützung der Bevölkerung wichtig ist.
Wil «Wir haben nicht 400'000 Franken», sagt Mike Sarbach. Der Betriebsleiter des «Gare de Lion» spricht damit die zentrale Herausforderung an, die auf den Verein Kulturzentrum Wil zukommt. Für die neue Ton- und Lichtanlage rechnet dieser inzwischen mit Kosten von rund 400'000 Franken. Im ursprünglichen Sanierungsprojekt waren für die Veranstaltungstechnik 230'000 Franken vorgesehen. Nach intensiver Planung und dem Einholen verschiedener Offerten habe sich jedoch gezeigt, dass die tatsächlichen Kosten deutlich höher liegen. Einzelne Komponenten, etwa Teile der Lichtanlage oder des Mischpults, können weiterverwendet werden. Ein grosser Teil der bestehenden Technik muss aber ersetzt werden. «Die Tonanlage ist mindestens aus den 90er Jahren, vielleicht ist sie noch älter», sagt Sarbach. Zwar werde sie regelmässig revidiert und einzelne Komponenten würden ersetzt. Doch die Anlage sei nicht mehr auf dem heutigen Stand. «Irgendwann reicht das einfach nicht mehr.»
80'000 Franken aus Crowdfunding
Um die Finanzierung zu stemmen, setzt der Verein laut Sarbach auf verschiedene Quellen. So will man eigene Rückstellungen einsetzen, hat Stiftungen und private Sponsoren angefragt und rechnet mit einem Beitrag aus dem Lotteriefonds. Zusätzlich startet heute, Donnerstag, ein Crowd- funding auf der Plattform Lokalhelden. Das Ziel: 80'000 Franken bis zum 5. Januar 2027. «Das ist eine riesige Herausforderung», sagt Sarbach. Eine professionelle Agentur könne sich der Verein für die Kampagne nicht leisten. Die Arbeit werde deshalb intern aufgeteilt. Vereinsmitglieder und das Team sollen mithelfen, möglichst viele Menschen zu erreichen. Wer sich beteiligt, erhält je nach Beitrag ein Dankeschön. Zur Auswahl stehen unter anderem Eintrittskarten, T-Shirts und Hoodies, Einblicke hinter die Kulissen, eine Party vor der Wiedereröffnung oder sogar ein Stück der alten Graffiti-Fassade. Sarbach weiss, dass 80'000 Franken kein Selbstläufer sind. «Vielleicht sammeln wir schon mal 10'000, 20'000 oder 30'000 Franken. Das bringt es vielleicht zusammen. Aber 80'000 ist wirklich viel.» Trotzdem sei der
Verein zuversichtlich, das Ziel erreichen zu können. «Wir sind in diesen herausfordernden Zeiten auch ein bisschen auf die Hilfe von allen angewiesen: von Geschäftspartnern, Gästen, Mitgliedern und der Bevölkerung.»
Auch der Betrieb kostet Geld
Die neue Technik ist allerdings nicht die einzige finanzielle Baustelle. Während der Sanierung kann der «Gare de Lion» rund 18 Monate lang nicht wie gewohnt betrieben werden. Die Einnahmen aus Eintritten und Gastronomie fallen weitgehend weg. Das reguläre Jahresbudget des Kulturzentrums beträgt laut Sarbach rund 600'000 Franken. Zwar wird der Betrieb reduziert, viele Aufgaben und Kosten bleiben jedoch bestehen. Der Verein plant deshalb Veranstaltungen an anderen Orten. In der Musikbeiz Adler finden bereits mehrmals pro Monat Anlässe statt. Zwei bis drei weitere Möglichkeiten werden geprüft. Doch auch diese Ausweichlösungen bergen finanzielle Risiken. In bestehenden Lokalen sei es schwierig, Eintritt zu verlangen, weil die
Gäste sich an den normalen Barbetrieb gewöhnt hätten. Bei einer Halle könne der Verein zwar die Gastronomie selbst übernehmen, müsse aber zuerst viel Geld in Infrastruktur und Technik investieren. «Du nimmst einfach einen fünfstelligen Betrag in die Hand, um nur schon einrichten zu können und das Zeug zu mieten, das du brauchst. Wenn es dann in die Hose geht, machst du einen grossen Verlust», erklärt Sarbach. Hinzu kommt eine angekündigte Kürzung des städtischen Betriebsbeitrags um 50'000 Franken. Laut Sarbach habe der Verein diese Information überraschend erhalten. Er habe für 2027 ein Konzept und ein Budget eingereicht, aber zuvor keine Rückmeldung bekommen. Man sei davon ausgegangen, dass die bestehende Leistungsvereinbarung weitergeführt werde. Dass während der Betriebspause gewisse Ausgaben wegfallen, habe der Verein bereits berücksichtigt. «Uns hat das völlig überrascht», sagt Sarbach. Für das aussergewöhnliche Jahr ohne regulären Betrieb habe man mit den bisherigen Beiträgen von Stadt und Kanton ein Defizit von rund 20'000 Franken eingeplant. Komme die angekündigte Kürzung hinzu, könne das Minus deutlich grösser werden. Dann müssten möglicherweise Rückstellungen angegriffen werden, die eigentlich für die Veranstaltungstechnik vorgesehen sind. Über das städtische Budget entscheidet das Stadtparlament voraussichtlich am 3. Dezember. Der Verein rechnet zudem mit einem Kantonsbeitrag von 60'000 Franken.
Präsent bleiben
Trotz der finanziellen Unsicherheiten soll das Kulturzentrum während der Bauzeit präsent bleiben. «Wenn wir eineinhalb Jahre komplett Pause machen, sind wir von der Bildfläche verschwunden. Bei den Jungen sowieso», sagt Sarbach. Gerade für ein Publikum zwischen 18 und 20 Jahren sei eine solche Unterbrechung eine lange Zeit. Deshalb will der Verein ein Kernteam behalten und weiterhin ein reduziertes Kulturprogramm anbieten. Partys und Konzerte an anderen Orten sollen dafür sorgen, dass der Kontakt zum Publikum nicht abreisst. Die Arbeit gehe dem Verein während der Bauphase keineswegs aus. Neben dem Crowdfunding und der Suche nach weiteren Geldgebern müssen die Räumlichkeiten geräumt, das Material sortiert und Lagerplätze organisiert werden. Nach rund 40 Jahren hat sich im Gebäude einiges angesammelt. Auch die Begleitung der Sanierung und die Planung der Wiedereröffnung beanspruchen das Team. Bis Ende Jahr läuft der Betrieb weiter. Die Silvesterparty wird der letzte öffentliche Anlass sein. Gemäss aktuellem Zeitplan starten im Februar die Vorbereitungsarbeiten für die Sanierung.
Mit einer Crowdfunding-Kampagne auf der Plattform Lokalhelden.ch sollen für die Finanzierung einer neuen Ton- und Lichtanlage 80'000 Franken zusammenkommen. Alle Infos gibt es hier:
www.lokalhelden.ch/garedelion
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