Walter Gysel
stellt den Chor Mundo Unido im WN-Vereins-Domino vor.
Joël Frauchiger setzte sich am Regionalfinal gegen 15 Debattierende durch. le
Joël Frauchiger von der Kantonsschule Wil hat das Regionalfinal Ostschweiz von Jugend debattiert gewonnen. Er verrät den WN, was es für diesen Sieg brauchte und wie der sich auf das Nationale Finale in Bern vorbereitet.
Wil Joël Frauchiger, du hast dich gegen 15 weitere starke Debattierende durchgesetzt. Was war aus deiner Sicht der entscheidende Faktor für deinen Erfolg?
Ich denke, es war ein Zusammenspiel aus mehreren Faktoren: eine klare und überzeugende Rhetorik, eine gute inhaltliche Vorbereitung sowie eine gewisse Spontanität. In einer Debatte muss man in kurzer Zeit auf neue Argumente reagieren, Gegenpositionen einordnen und Lösungen entwickeln, die man so nicht vorbereitet hat. Diese Flexibilität und Gewandtheit waren aus meiner Sicht entscheidend für den Erfolg.
In der Finaldebatte ging es um die Frage, ob Schweizer Innenstädte nur noch mit einer Vignette für Motorfahrzeuge befahrbar sein sollen. Wie bist du an dieses Thema herangegangen?
Ich habe mich ehrlich gesagt nicht gezielt auf die Finaldebatte vorbereitet, sondern nur auf die Qualifikationsrunden. Das hatte weniger mit einer bewussten Strategie zu tun als damit, dass mir am Vorabend schlicht die Zeit und vielleicht auch die Energie gefehlt hat. Deshalb musste ich mir in sehr kurzer Zeit eine solide Grundlage erarbeiten. Ich bin dabei strukturiert vorgegangen und habe die wichtigsten Pro-Argumente in verschiedene Kategorien eingeteilt. Anschliessend habe ich mir gezielt die stärksten Argumente der Gegenseite angeschaut und überlegt, wie man diese entkräften oder sogar für die eigene Position nutzen kann. Zum Schluss habe ich mich auf den Einstieg konzentriert: Mit einer anschaulichen Geschichte versuche ich jeweils, das Publikum von Anfang an abzuholen.
Die Pro- oder Kontra-Position wird erst kurz vor der Debatte ausgelost. Wie bereitest du dich auf diese Ungewissheit vor?
Man bereitet sich grundsätzlich auf beide Seiten vor, also Pro und Kontra. Die Position wird in der Finaldebatte ja erst kurz vorher ausgelost und die Ungewissheit gehört dazu. Entscheidend ist deshalb die Flexibilität: Man muss ruhig bleiben, das Thema schnell strukturieren und auch mit Argumenten umgehen können, die man so nicht vorbereitet hat. Mir hilft dabei der Gedanke, cool zu bleiben, die anderen wissen es ja genauso spät.
Wie gehtst du damit um, wenn du eine Position zu vertreten musst, mit der du persönlich nicht einverstanden bist?
Interessanterweise fällt mir das oft sogar etwas leichter. Gerade in Diskussionen mit Freunden höre ich viele dieser Argumente ja regelmässig. Ich weiss deshalb ziemlich genau, was ich selbst sagen oder einwenden würde, und wo ich persönliche Mühe hätte zu kontern. Das hilft mir, meine Argumente gezielter zu planen und mich besonders auf jene Punkte zu konzentrieren, die auch für mich selbst überzeugend sein müssen.
Ende März steht nun das Nationale Finale in Bern an. Wie bereitest du dich darauf vor?
Sicherlich deutlich besser als letztes Jahr. Am nationalen Final habe ich mich damals zu wenig vorbereitet, und das habe ich auch gespürt. Ich habe mir danach fest vorgenommen, dass mir das beim nächsten Mal nicht mehr passieren soll. Entsprechend lege ich diesmal viel Wert auf eine gründliche Vorbereitung. Dazu gehört eine sauber sachliche und faktische Auseinandersetzung mit den Debatt-Themen, aber auch das Diskutieren mit Freunden und der Familie, um unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen und meine Argumente zu schärfen.
Gibt es etwas, das du bis zum Nationale Finale noch gezielt verbessern oder trainieren möchtest?
Es geht weniger um grosse Baustellen als um kleine Nuancen. Zum Beispiel ein paar Versprecher weniger oder eine Anfangsrede, welche genau die zwei Minuten ausfüllt anstatt 1 min 50. Genau solche Details sind aber nicht so einfach gezielt zu trainieren, weil sie stark von der konkreten Debattensituation abhängen. Trotzdem versuche ich, auch an diesen Feinheiten weiterzuarbeiten.
Linda Bachmann
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