Walter Gysel
stellt den Chor Mundo Unido im WN-Vereins-Domino vor.
Hohe Unterhalts- und Personalkosten sowie fehlender Nachwuchs führten dazu, dass die fünf Schwestern des Klosters Glattburg im Sommer 2026 nach Seedorf ins Kloster St.Lazarus ziehen.
Oberbüren «Es fällt mir weniger schwer, den Ort zu verlassen, als die Menschen dort», erzählt Äbtissin Ancilla Zahner mit etwas Wehmut in der Stimme. Sie und ihre vier benediktinischen Glaubensschwestern werden im Sommer 2026 aus dem Kloster St.Gallenberg, Glattburg, in Oberbüren ausziehen. «Mich von den Beziehungen zu verabschieden, die ich 35 Jahre lang aufgebaut habe, schmerzt.» Doch so schmerzhaft die Entscheidung auch sei, sie bringe auch eine Erleichterung mit sich, so die Äbtissin. «Es war ein jahrelanger Prozess», betont sie. «Mit der Zeit wurde der Schritt jedoch dringender und drängender.»
«Das Kloster wurde nicht als solches erbaut», weiss Äbtissin Ancilla, «erst war es eine Burg, bis später das Kloster dazukam.» Die Unterhaltskosten eines so grossen Gebäudes seien daher auch entsprechend hoch. «Hinzu kommt, dass auch Renovationen fällig sind und wir ebenfalls Personal haben, dasbezahlt werden möchte», gibt die Äbtissin zu bedenken. Ein Hauswart im Vollzeitpensum, eine Angestellte in Teilzeit in der Küche sowie zwei im Hausdienst unterstützen die fünf Schwestern auf der Glattburg. «Auch wir helfen selbstverständlich mit», sagt sie. «Zwei unserer Schwestern sind jedoch bereits über 80 Jahre alt», fügt sie hinzu. «Wären wir eine Gemeinschaft mit mehr jüngeren Schwestern, bräuchten wir kein Personal und könnten auch den Umzug vermeiden.» Neue Schwestern für die Gemeinschaft zu finden, sei jedoch bedeutend schwieriger als noch in den 60er- und 70er-Jahren: «Wir suchen nicht aktiv nach den Schwestern und das Kloster ist nicht der einzige Ort, um ein christliches Leben zu führen», sagt Äbtissin Ancilla. Dieses Problem hätten jedoch nicht nur die Schwestern im Kloster St.Gallenberg: «Ich beobachte das durchs Band.» Wie es in Zukunft mit den Gemeinschaften weitergeht und ob es auch solche geben wird, die sich auflösen, wisse allein Gott. «Wir müssen auf Gottes Plan vertrauen und ein offenes Herz behalten», so die Äbtissin.
Mit dieser Einstellung blicken die Benediktiner-Schwestern auch in die Zukunft in Seedorf. «Wir gehören der gleichen Föderation an und kannten uns teils auch schon. So auch Äbtissin Imelda», begründet Äbtissin Ancilla die Wahl des Klosters St.Lazarus. Bereits im April reisten die Schwestern für einen Besuch in den Kanton Uri. «Wir wollten schauen, ob eine gemeinsame Zukunft machbar wäre», verrät sie. Rasch stellten die Schwestern fest, dass das Kloster in Seedorf etwas für sie sein könnte: «Es ist ein schöner Ort, an dem wir liebevoll aufgenommen wurden», so die Äbtissin. Die drei jüngeren Schwestern reisten daraufhin einzeln nochmals nach Seedorf, um am dortigen Leben teilzuhaben. «Vieles ist sehr ähnlich. So ist auch in Seedorf das Leben ländlich und wir haben das gleiche Gebetsbuch», erinnert sie sich. Das Gebet nimmt im Leben der Schwestern einen grossen Raum ein: «Wir beten rund fünf Stunden am Tag. Da ist es wie heimkommen mit dem gleichen Buch», verrät sie.
Die Schwestern des Klosters St.Gallenberg werden ab Sommer 2026 für drei Jahre im Gaststatus im Kloster St.Lazarus sein. «Wir wollen den Schwestern in Seedorf aber nicht auf der Tasche liegen und unseren Beitrag im Alltag wie auch in die Kasse leisten», stellt Äbtissin Ancilla klar. So sei geplant, dass die Hostienbäckerei auch im Kanton Uri weitergeführt wird. «In Seedorf haben sie noch keinen Laden», weiss die Äbtissin, «es wäre durchaus möglich, dass wir unseren Laden auch im Kloster St.Lazarus weiterführen werden.» Äbtissin Imelda mache sich dazu bereits Gedanken, verrät sie.
Wie die Zukunft für das Kloster St.Gallenberg aussieht, ist noch unklar. Eine Projektgruppe begleitet den Prozess und unterstützt die Gemeinschaft in der Lösungsfindung. Ebenfalls noch offen ist, ob die Schwestern nach drei Jahren dem Kloster St.Lazarus beitreten werden. In der Entscheidung werden sie von einem Glaubensbruder begleitet: «Er hat einen neutralen Blick von aussen», sagt Äbtissin Ancilla. Sie ist überzeugt: «Dieser Neuanfang kann für beide Gemeinschaften eine Chance für einen Weg in die Zukunft sein.»
Von Dominique Thomi
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