Aaron Gähwiler
verrät im Lehrlings-Domino, wie er mit Druck umgeht.
«In der heutigen schnelllebigen Zeit bewegt sich das Schulsystem keinen Meter», ärgert sich Adelina Karrica Duhanaj. Die dreifache Mutter lancierte eine Petition und fordert nun zwei statt drei Wochen Herbstferien.
Oberbüren Ferien in der Schweiz entstanden ursprünglich aus landwirtschaftlichen und religiösen Gründen. «Die Herbstferien wurden eingeführt, damit die Kinder in der Erntezeit ihren Eltern auf dem Bauernhof helfen konnten. Heute, rund 100 Jahre später, hat sich das stark verändert», betont Adelina Karrica Duhanaj. Die dreifache Mutter lancierte am 8. Februar eine Petition, in der sie die Herbstferien im Kanton St.Gallen auf zwei Wochen verkürzen möchte. Dafür soll eine Woche «Heuferien» im Frühling geschaffen werden.
«Drei Wochen Herbstferien sind zu viel», sagt die dreifache Mutter entschlossen. Dies bemerkte Adelina Karrica Duhanaj auch bei ihren eigenen Kindern: «Bereits im ersten Jahr im Kindergarten brauchte ich bei meinem Sohn nach drei Wochen Ferien einiges an Überredungskunst, um ihn wieder dafür begeistern zu können.» Doch nicht nur die Herbstferien, auch der Unterrichtsblock zwischen Frühling und Sommer sei zu lang. «Die Motivation sinkt und die Lernbereitschaft lässt nach», beobachtet die Oberbürerin. Neben den Kindern haben auch die Familiendynamiken mit der Ferienordnung zu kämpfen: «Eltern müssen für rund acht Wochen innert vier Monaten eine Betreuung für ihre Kinder organisieren.» Anders als noch vor 100 Jahren seien heute oftmals beide Elternteile berufstätig. «Zum Glück», so Karrica Duhanaj, «dürfen wir Frauen heute einem Beruf nachgehen.» Dies bedeute jedoch auch, dass für die Kinder eine Betreuung organisiert werden müsse. «Nicht alle können auf die Grosseltern zurückgreifen, geschweige denn sich eine Kita leisten», gibt die Oberbürerin zu bedenken.
Adelina Karrica Duhanaj beschloss, zu handeln: «Meine Schwester ist Gemeinderätin und riet mir, eine Petition zu starten», erinnert sie sich. Kurz darauf lancierte die 36-Jährige eine Online-Petition und war vom Zuspruch völlig überwältigt: «Ich wusste von meiner Schwester, dass ich 20 Unterschriften brauchte.» Eine Menge, für die sie sich eine Woche Zeit gab. «Die Unterschriften kamen im Minutentakt», freut sie sich. «Dass es am Ende 703 Unterschriften sein würden, habe ich nicht erwartet.» Die Übergabe der Petition stellte sich jedoch um einiges komplizierter dar als die Unterschriftensammlung. «Ich habe den ganzen Donnerstagmorgen damit verbracht, mit verschiedenen Ämtern zu telefonieren», betont die dreifache Mutter. Niemand habe sich dafür zuständig gefühlt, ergänzt sie. Schliesslich sei der Amtsbereich geklärt gewesen und die Oberbürerin habe die Petition am Freitagvormittag der St.Galler Staatskanzlei überreicht. «Ich war aufgeregt, aber gleichzeitig voller Freude», verrät Karrica Duhanaj. Sie habe sich sehr selbstbewusst gefühlt: «Es hat Hand und Fuss. Die vielen Unterschriften bestätigen das.»
In der Verlegung der einen Herbstferienwoche in die Zeit von Mai oder Anfang Juni sieht Adelina Karrica Duhanaj einige Vorteile. Unter anderem das Wetter: «Im Frühling haben wir in der Schweiz oft das bessere Wetter als im Herbst.» Zudem kämen noch die Feiertage wie Auffahrt und Pfingsten hinzu. «In dieser Zeit haben auch die Eltern einige freie Tage, an denen sie keine Betreuung organisieren müssen», betont die 36-Jährige. So seien es mit den gesetzlichen Feiertagen rund zehn anstatt nur fünf Tage Ferien. Nun sei Geduld gefragt: Die Petition, so die Oberbürerin, werde nun von der Bildungskommission geprüft und an die Regierung weitergeleitet. «Ich wünsche mir eine Abstimmung an der Urne», sagt Karrica Duhanaj. «Es ist an der Zeit, nach 100 Jahren mal eine Anpassung vorzunehmen.»
Von Dominique Thomi
«Als der Schulstart noch im Frühling erfolgte, sah der Ferienplan drei Wochen Frühlings- und zwei Wochen Herbstferien vor», sagt Linda Müntener, Stabsmitarbeiterin des Bildungsdepartements St.Gallen. Mit der Verschiebung des Schulstarts auf August sowie aufgrund pädagogischer Überlegungen habe sich die dreiwöchige Herbstpause insbesondere für neu gestartete Schülerinnen und Schüler als sinnvoll erwiesen. «Auch klimatische Veränderungen und das Reiseverhalten der Gesellschaft führten zu einer stärkeren Gewichtung der Herbstferien», so Müntener. Laut der Stabsmitarbeiterin steht es den Schulträgern frei, neben den vom Kanton festgelegten zwölf Ferienwochen eine Woche flexibel zu platzieren: «Mit dieser wählbaren Ferienwoche könnte eine Pfingstferienwoche gestaltet werden.» Gegen eine Verkürzung der Herbstferienwoche spreche insbesondere die Belastung im ersten Quartal nach den Sommerferien. «Gerade für Kinder im Kindergarten und in der Unterstufe ist diese Zeit intensiv. Die drei Wochen helfen, die vielen Eindrücke zu verarbeiten und gestärkt ins zweite Quartal zu starten», erklärt Müntener. Der Bildungsrat werde sich in einer der nächsten Sitzungen mit der Petition befassen und anschliessend über das weitere Vorgehen entscheiden, so die Stabsmitarbeiterin abschliessend.
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